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Wie können wir die Verbindung zu den Verstorbenen pflegen?

Viele Menschen der Gegenwart haben die Überzeugung gewonnen, dass die Seele nach dem Tode weiterexistiert. Sie sind dieser Auffassung, auch wenn sie noch keine wesenhafte Begegnung mit Verstorbenen erfahren haben. Wie können sie aus dieser ahnenden Gewissheit heraus die Verbindung zu Verstorbenen pflegen?

Von Ursula Zimmermann

Die verstorbene Seele taucht aus dem inneren Umkreis auf. Es gilt also zu lauschen. Ihre Gegenwart wird im Herzen erlebt, nicht im Kopf. Sie wird im Gefühl wahrgenommen, nicht im sinnlich orientierten Verstand. Wie kann dieser Herzbereich erschlossen werden?

Den Herzbereich aktivieren
Ein Element ist eine neue Aufmerksamkeit der Zeit gegenüber. Wir sind den ganzen Tag in Zeitabläufe eingespannt, die unser Seelenleben kanalisieren und vorwärtstreiben. Wenn ich Erinnerungen an einen Verstorbenen pflege, muss ich ihnen Raum geben. Ich muss die Erinnerung zu mir sprechen lassen und mit ruhiger Zuwendung die Bilder und in ihnen die mir verbundene Seele anschauen. Es ist ein ähnlicher Vorgang wie beim Betrachten eines Kunstwerks: ich sehe das Bild nicht nur mit meinem Verstand an, sondern ich öffne mich, richte meine Konzentration und lasse das Bild zu mir sprechen. Die Aktivität, die von mir ausgeht, ist Ruhe und Konzentration, der Inhalt aber ist das Bild, das an mich herantritt, das mir etwas offenbart. Die Aufmerksamkeit lebt dabei im Herzbereich. Ich bin hellwach und doch nicht im Kopf, sondern in der Erlebnissphäre des Herzens.
Einen solchen inneren "Zeitraum", wo das Erinnerungsbild in mir leben kann, gilt es zu schaffen. Es wird dem Bild gegenüber ein Gefühl der Dankbarkeit auftauchen, denn es ist Teil meiner eigenen Existenz.

Kräfte-Umfeld wird spürbar
Bei diesem Umgang mit der Zeit hat die “Pause” eine besondere Bedeutung. Es geht darum, auf das "Dazwischen" zu achten. Ein Beispiel: Ich pflege eine Rose im Andenken an den Verstorbenen. Ich schaffe erst Ruhe, Zeitpause, Entschleunigung. Ich schaue die Rose an in Ruhe. Ich lasse ein Gefühl der dankbaren Verbundenheit in mir erwachen und schaue wieder in ruhiger Zuwendung auf die Rose. Was ich auf diese Weise pflege, wird sich allmählich auf meine Selbstwahrnehmung auswirken. Ich fühle mich angeschlossen an einen geistigen Umkreis und fange an, ein Vertrauensverhältnis zu diesem Umkreis zu entwickeln. Ich werde aufmerksam auf eine Vernetzung  mit einem Kräfte-Umfeld, das meinem Gegenstandsbewusstsein nicht greifbar ist und in dem ich auch den Verstorbenen als mit mir verbunden erlebe. Wichtig wird die Nacht als "Zeitpausen-Raum". Sie fängt an, mir Wahrnehmungen zu bringen in mein Gedanken- und Gefühlsleben aus diesem geistigen Umkreis-Kraft-Bereich.
Sobald dieses fühlend-wahrnehmende Bewusstsein gestärkt ist, kann ich viel sicherer und besser die Pflege des Umgangs mit den Verstorbenen angehen.

Erleben statt Wissen
Dafür gibt es fruchtbare Hinweise aus der geistigen Forschung Rudolf Steiners. Eine davon ist, in Gemeinschaft mit anderen Menschen an geistigen Wahrheiten zu arbeiten. Inhalt können Steiners Schriften, aber auch die Bibel, der Koran, die Bhaghavadgita bilden. Auch hier soll der Erlebnisbereich des Herzens aktiv werden. Es geht nicht um das Wissen von geistigen Wahrheiten, sondern um das Erleben. Wieder hilft es, das Verhältnis zur Zeit zu beachten, aufmerksam zu sein auf Entschleunigung, Pausen im Gespräch, ein Nachklingen des Gesagten und ein zulassen von Stimmungselementen, die sich einstellen können. Diese Tätigkeit ist allerwichtigste Nahrung für alle Verstorbenen.
Bedeutend können Feiern sein, in denen man der Verstorbenen gedenkt. Bei ihnen spielt das künstlerische Element eine Rolle. Bedeutung kommt dem Wort zu, der Musik, der Bewegung, wie sie in der Eurythmie veranlagt ist. Die Brücke zu den Verstorbenen ist aber auch da das Bewusstsein der versammelten Menschen. Je aktiver, das heisst wacher, mittätiger der Einzelne ist im oben beschriebenen Sinne, umso mehr kann sich aussprechen, was im geistigen Umkreis lebt.

Die Pflege der Verbindung zu den Verstorbenen wird so eine Aufgabe, die uns selbst weiterführt auf dem Weg einer spirituellen Kultur.

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Ursula  Zimmermann.
Primarlehrerin. Studium der Eurythmie bei Elena Zuccoli.
Mitwirkung an der Goetheanum-Bühne und in der Ausbildung.
2001 Gründung des Kairos Zentrums für Eurythmie.
Leitung des Kairos Projekt-Ensembles. Kurstätigkeit im In-und Ausland.
Hauptthemen Eurythmie und meditatives Leben.

 

Forum für Sterbekultur | 27.04.17