LogoLinks Link zur Homepage
 Home | Kontakt |  
 | 
 | 
E-Mail
  
Begleiter sein
Was brauchen sie?
Wie helfen?
Trauern
Trost der trägt
Wie trauern Kinder?
Ein notwendiger Weg
Wie trauern?

Wege und Phasen der Trauer

Wenn wir unsere Trauer als etwas akzeptiert haben, dass durchlebt werden muss, stellt sich die Frage, was das genau bedeutet. Wie trauere ich richtig? Was macht die Trauer mit mir? Wie viel Trauer ist gesund, und wann stecke ich darin fest?

In unserer Gesellschaft hat Trauer wenig Platz. Die Rituale, mit denen wir dem Tod begegnen, sind limitiert. Das kann dazu führen, dass man sich mit seiner Trauer alleine fühlt. Religiöser Beistand oder psychologische Hilfe mögen in solchen Fällen helfen, aber auch Bücher können unterstützend wirken.

Die Zahl der Bücher über den Umgang mit Trauer, über ihre Phasen und die widersprüchlichen Gefühle, die unerwartet auftauchen können, ist in den letzten Jahren zu einem fast unübersehbaren Angebot angewachsen. Im folgenden Text geben wir am Beispiel dreier Publikationen einen Einblick in die aktuelle Diskussion.

Ein langes, gewundenes Tal
„Loslassen und Trauern sind eine Entwicklung, die ihre Zeit braucht, verschiedene Phasen durchläuft und den ganzen Menschen ergreift", sagen Udo Baer und Gabrielle Fick-Baer. Trauer ist individuell, für jeden Menschen entwickelt sie sich anders. Dennoch lassen sich gewisse Elemente und Phasen herausarbeiten, die oft Bestandteil von Trauer sind. C. S. Lewis, Autor der "Chroniken von Narnia", beschreibt Trauer als ein langes, gewundenes Tal: "Jede Biegung enthüllt eine neue Landschaft, manchmal allerdings ist auch das Gegenteil der Fall. Dann steht man vor einer Landschaft, die man schon lange hinter sich glaubte."

Im Folgenden sollen einige Phasen und Elemente des Trauerprozesses vorgestellt werden, wie sie von Waldemar Pisarski und dem Ehepaar Baer vorgestellt werden. Immer mit dem Wissen, dass Trauern für niemanden gleich ist und nicht alle Menschen dieselben Elemente erleben.

Schock, Unglaube, Abwehr
Im ersten Moment nach der Nachricht vom Tod einer geliebten Person steht man unter Schock, besonders dann, wenn der Todesfall unerwartet war. Man reagiert mit Unglaube, Abwehr, Schuldzuweisungen, vielleicht sogar Verleugnung. Diese erste Phase der Trauer dauert meist nicht sehr lange.

Denn schon bald muss man sich wieder beherrschen und kontrollieren. Vieles muss organisiert werden und der Tod rückt nahe (Todesanzeige, Beerdigung). Damit kann ein Gefühl der Unwirklichkeit und Ferne einhergehen.

In der Phase der Regression wird das Leben zurückgenommen. Man zieht sich in sich selbst zurück. Der Verlust ist allgegenwärtig und findet Ausdruck im Klagen und Weinen, manchmal begleitet von suchendem Umhergehen. Die starken Sehnsuchtsgefühle lassen den Verstorbenen oft ganz nahe erscheinen. Man kreiert ein Idealbild des Verstorbenen, in dem alle negativen Gedanken ausgeblendet werden. Es ist wichtig, dass der Schmerz nicht unterdrückt wird und die eigenen Gefühlsschwankungen akzeptiert werden.

Wut zulassen
Ein Trauerelement, das in dieser Zeit auftauchen kann, ist der Zorn. Die Wut kann sich gegen andere richten, gegen den Verstorbenen oder sogar gegen sich selbst. Viele haben Angst vor diesem Zorn, aber es ist wichtig, ihn zuzulassen, denn er ist Teil der Trauer.

Irgendwann tritt der Verlust zurück und eine Phase der Adoption, des Sich-Wieder-Öffnens, kann beginnen. Die Gefühlseinbrüche werden weniger. Man beginnt zu differenzieren zwischen dem, was verloren ist, und was bleibt. Ein allmähliches Hinnehmen setzt ein. Das Bild des Verstorbenen wird langsam realistischer. Man beginnt sich wieder zu öffnen und die Zukunft rückt erneut in den Blick.

In jeder dieser Trauerphasen kann man feststecken. So kann man in der ersten Phase in ein „So-tun-als-ob" fallen, den Verlust leugnen und sich in Arbeit stürzen. Ein Gefühl des Nicht-Anhalten-Könnens kann sich einstellen. Denn wenn man innehalten würde, müsste man sich mit dem Verlust auseinandersetzen. In dieser Situation hilft es, Angst und Schrecken zuzulassen, erst dadurch wird ein Trauern möglich. Wer sich nicht mit seiner Trauer auseinandersetzt, riskiert, dass sich diese später als unverarbeitete Trauer wieder manifestiert. Unverarbeitete Trauer kann Ursache von Depressionen sein.

Ausdrücken und teilen
Es gibt Wege durch die Trauer: Unverzichtbar ist es, dass die Trauer Ausdruck findet und dass es möglich ist, die Trauer mit anderen zu teilen. Das kann zum Beispiel in Trauergruppen stattfinden, aber auch mit einzelnen Menschen, die bereit sind, wirklich Anteil zu nehmen. Es kann helfen, der Trauer durch Abschiedsbilder, -briefe oder -lieder Ausdruck zu verleihen. „Trauern kann man nicht ‚leisten’, man kann es nicht erzwingen, man kann sich nur so öffnen, dass es geschehen kann (Baer/Frick-Baer )."

To top

spacer

Zitierte Bücher

Waldemar Pisarski: Anders trauern – anders leben.
Gütersloher Verlagshaus, 2006. Taschenbuch, Fr. 18.90, ISBN-10:3-579-06817-2

Udo Baer/Gabrielle Frick-Baer: Vom Trauern und Loslassen. Beltz Verlag, 2009. Taschenbuch, Fr. 15.50, ISBN-10:3-407-22447-8

C. S. (Clive Staples) Lewis (Autor), Alfred Kuoni (Übersetzer): Über die Trauer: Der Begleiter für schwere Stunden. Mit einem Vorwort von Verena Kast.
Insel-Verlag, 2009; gebunden: Fr. 17.90, ISBN-10:3-458-35165-5,  oder als insel taschenbuch: Fr. 10.50, ISBN-10:3-458-34281-8

Buchtipps

Es gibt viele und sehr unterschiedliche Arten, von Trauer betroffen zu sein. Aus der Vielzahl der Bücher stellen wir hier einige vor.

To top

 

Forum für Sterbekultur | 26.07.16