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und dann?
Suizid Prävention
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Anthroposophische Sicht

Wie kann ich mich zu einem an Suizid verstorbenen Menschen hinwenden?

Zurückgebliebene Angehörige erleben oft erst eine grosse Ohnmacht gegenüber dem schwer zu fassenden Ereignis. In dieser Not kann die Erfahrung von Menschen, die durch Meditation oder durch das Gebet einen Weg zu einem Verstorbenen gesucht haben, hilfreich sein.

Die Priesterin Ursula Hausen hat durch meditative Vertiefung in den nachfolgenden Spruch eine grosse Klarheit in der Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid und der hilfreichen Begleitung Betroffener gefunden:

Seele im Seelenlande,
suche des Christus Gnade, 
die dir die Hilfe bringet, 
die Hilfe aus Geisterlanden, 
die auch jenen Geistern Friede
verleiht, die im friedelosen 
Erleben verzweifeln wollen.     
(Rudolf Steiner: An eine Mutter für ihren Sohn, der sich das Leben nahm)

Den Christus suchen
Der oben stehende Spruch lenkt die verstorbene Seele auf die Begegnung mit Christus hin. In ihm kommt eine volle Zuversicht zum Ausdruck, dass diese Begegnung hilfreich und tragend sein wird. Angeknüpft wird an die Gewissheit, dass Lebende auf der Erde Verstorbene mit ihren Gedanken und Gefühlen erreichen können.

Wie mit Schuldgefühlen umgehen?
Betroffene Angehörige sind oft von Schuldgefühlen geplagt. Ursula Hausen spricht über das Gewissen und weist darauf hin, dass Christus niemals Vorwürfe macht. Dem gegenüber ist zu bedenken, dass das Wecken eines gesunden Gewissens heute oft durch die Erziehung schwer belastet ist.

«Das Erkennen, dass er (Christus) niemals etwas Geschehenes ablehnt, ist eine der erstaunlichsten Erfahrungen, die wir durch ihn machen können. Er bejaht alles, was ist, solange wir ihm Wahres entgegenbringen. Dabei ist es nicht wesentlich, ob die Wahrheit uns angenehm oder schmerzlich ist…» 

Vergeben und Verzeihen
Die Taten der Menschen haben ihre karmischen Folgen. Solche Folgen können durch das Wirken von Christus verändert werden. Daran können sich auch Menschen durch ihre Liebes- und Hingabekraft beteiligen.

Im Kapitel «Vergeben und Verzeihen» führt Ursula Hausen diesen Gedanken weiter aus:

«Verzeihen bedeutet: Ich will verzichten darauf, dass ein anderer das, was er mir angetan hat, in seinem künftigen Karma mir gegenüber wieder ausgleichen muss. Das ist möglich, wenn ich für ihn so viel Liebe aufbringen kann, dass dadurch heilt, was sonst durch den Schicksalsausgleich in der Zukunft erst geschehen könnte.» 

 «Vergeben dagegen heisst: Ich kann so viel Liebekraft aufbringen, dass dadurch auch alles heilen kann, was der Täter sich durch die ungute Tat in seinem eigenen Wesen zugefügt hat. Es ist also ein Akt der höchsten inneren Aktivität, nicht zu vergleichen damit, dass man einfach nur sagen würde: Ich denke nicht weiter an das erlittene Unrecht. Wer wirklich verzeihen lernt, der kann ahnen, dass dadurch Christus selber im Menschen zu wirken beginnt. Seine Kraft ist es, die es uns möglich macht, zu verzeihen. Er ist es, der dann auf andere Weise den Schicksalsausgleich in Freiheit – statt unter dem Zwang karmischer Gesetze – herbeiführt…» 

Dass man sich bei solchem Streben auch überfordern kann, aber nicht soll, wird im Buch deutlich angesprochen.

Mitleid und Mitgefühl
Die Hinterbliebenen erleben im Dasein nach dem Suizid Schmerz und Not. Dieses Erleben wird ihnen letztlich die Kraft geben, den weiteren Lebensweg zu führen. Wer Menschen in diesem Dasein begleitet, wird darauf achten müssen, dass die Gefühle der Anteilnahme sich nicht verlieren. Letztlich wird nur die Bejahung des eingetroffenen Zustandes weiterhelfen. Etwa die Stimmung: «Ich werde meinen Blick auf das Ziel richten, vom dem dir die wahre Hilfe entgegenkommen kann, von dem Christus selbst.» 

«Von Christus geht die absolute Bejahung jedes Menschen und jeder geschehenen Tatsache aus. Er wird niemals etwas ungeschehen machen wollen, sondern immer ausgehend von der jetzt vorhandenen Situation den nächsten Schritt zur Lösung der Probleme weisen. Er schafft durch die Schicksalsfolgen den Weg, der zur Heilung führt. Deshalb muss sich jeder Helfer immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass auch die schmerzlichen Schicksalsfolgen nur den einen Sinn haben, alles wieder zum Guten zu wenden.»

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Ursula Hausen ist Dipl.-Psychologin und seit 1982 Priesterin der Christengemeinschaft. Seit 2012 arbeitet sie in Murrhardt, wo ihre Schwerpunkte in den Bereichen Sterbebegleitung und Fortbildung von Pflegenden liegen.

Literatur zum Thema

Ursula Hausen: Den Tod als Freund erleben lernen. 2003, Urachhaus Verlag, 250 Seiten, ISBN 978-3-8251-7436-1

 

Forum für Sterbekultur | 03.10.17