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Anthroposophische Sicht

Rudolf Steiner zum Thema Suizid

Dass Suizid nicht wirklich eine Erlösung bringen kann, wird in diesem Beitrag tiefer begründet. Der Tod ist das Tor zu neuen Daseinszuständen. Der menschliche Entwicklungsweg geht nach dem Tod weiter. Die Seele verarbeitet das vergangene Leben und bereitet sich auf ein Neues vor.

Von Franz Ackermann

Das Dasein im Nachtodlichen geht durch verschieden Stufen, welche mit bestimmten Tätigkeiten und Erlebnissen verbunden sind. Die verstorbene Seele muss sich erst an den vom Körper befreiten Zustand gewöhnen. Je nachdem, wie stark sie an der Sinneswelt als scheinbarer einzige Wirklichkeit gehangen hat, ist der Vorgang der Entwöhnung mehr oder weniger schmerzlich und dauert mehr oder weniger lang. Dies betrifft insbesondere Menschen, die mutwillig aus dem Leben scheiden.

Statt der erhofften Erlösung und Befreiung aus einem unglücklichen Erdenleben, sieht sich die Seele nun vor der Unmöglichkeit, das abgerissene Erdenleben abzuschliessen und die Früchte dieses herausfordernden Lebens zu ernten.

In grundlegenden anthroposophischen Schriften und Vorträgen (siehe Literaturhinweise) beschreibt Rudolf Steiner, was Seelen im Dasein nach dem Tode insbesondere nach einem Suizid erleben können. Die nachfolgenden Zitate stammen aus Rudolf Steiners Werk.

Das Selbstgefühl und der Leib
Der Mensch empfindet während des physischen Lebens seinen Körper als sein Selbst. Das, was man Selbstgefühl nennt, gründet sich auf diese Tatsache. Und je sinnlicher die Menschen veranlagt sind, desto mehr nimmt ihr Selbstgefühl diesen Charakter an. – Nach dem Tode fehlt der Leib als Gegenstand dieses Selbstgefühls. Die Seele, welcher dieses Gefühl geblieben ist, fühlt sich deshalb wie ausgehöhlt. Ein Gefühl, wie wenn sie sich selbst verloren hätte, befällt sie. Dieses hält so lange an, bis erkannt ist, dass im Physischen nicht der wahre Mensch liegt…

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Erlebnisse dieser Region im besonderen Masse Selbstmörder durchmachen. Sie verlassen auf künstlichem Wege ihren physischen Leib, während doch alle Gefühle, die mit diesem zusammenhängen, unverändert bleiben. Beim natürlichen Tode geht mit dem Verfall des Leibes auch ein teilweises Ersterben der an ihn sich heftenden Gefühle einher. Bei Selbstmördern kommen dann noch zu der Qual, die ihnen das Gefühl der plötzlichen Aushöhlung verursacht, die unbefriedigten Begierden und Wünsche, wegen deren sie sich entleibt haben.
(Theosophie. GA 9. Kapitel: Die drei Welten)

Wenn der Mensch Selbstmord begeht, hat er sein Ich mit dem physischen Körper identifiziert. Daher entsteht nachher umso heftiger die Gier nach dem physischen Körper. Er kommt sich dann vor wie ein ausgehöhlter Baum, wie einer, der sein Ich verloren hat. Er hat dann einen fortwährenden Durst nach sich selbst.(Grundelemente der Esoterik, 7. Oktober 1905, GA 93a)

Den physischen Körper entbehren
Aber bei einer so gewaltsamen plötzlichen Trennung vom Körper wie bei einem Selbstmörder, wo noch alles gesund ist und noch fest zusammenhält, da tritt unmittelbar nach dem Tode eine starke Entbehrung des physischen Körpers auf, die furchtbare Leiden verursacht. Es ist ein furchtbares Schicksal. Der Selbstmörder fühlt sich wie ausgehöhlt und beginnt nun ein grausiges Suchen nach dem so plötzlich entzogenen physischen Körper…

Es wird nun mancher sagen: Der Lebensüberdrüssige hängt ja gar nicht mehr am Leben, sonst hätte er es sich nicht genommen. – Das ist eine Täuschung, denn gerade der Selbstmörder hängt zu sehr am Leben; weil es ihm aber die Befriedigung gewohnter Genüsse nicht mehr bietet, weil es ihm vielleicht durch veränderte Verhältnisse manches versagt, darum geht er in den Tod, und darum ist ihm nun die Entbehrung des physischen Körpers unsagbar gross.
(Vor den Toren der Theosophie, 24. August 1906, GA 95)

Wenn der Mensch gewaltsam getötet wird, ist er in einer ähnlichen Lage. Bei dem Menschen, der eines gewaltsamen Todes stirbt, bleibt bis zu der Zeit, zu der er sonst gestorben wäre, das Suchen nach seinem physischen Körper, nach seinem Selbst.
(Grundelemente der Esoterik, 7. Oktober 1905, GA 93a)

In welcher Art und Weise Menschen im Dasein nach einem Suizid beigestanden und geholfen werden kann, wird hier aufgezeigt: Hilfe schenken.

Jede Seele überwindet schliesslich das Dasein in der Seelenwelt nach dem Tode und gelangt zur weiteren Entwicklung in einen rein geistigen Zustand.

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Franz Ackermann war Leiter eines Alters- und Pflegeheims im Kanton Zürich und während mehreren Jahren Präsident der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Literatur zum Thema

Maria von Nagy: Rudolf Steiner über den Selbstmord. Dornach 1998, Verlag am Goetheanum. 

Rudolf Steiner: Der Tod – die andere Seite des Lebens. Wie helfen wir Verstorbenen? Wortlaute und Sprüche. Dornach 1992, Rudolf Steiner Verlag. 

Weitere Bücher Rudolf Steiners aus der Gesamtausgabe GA: Rudolf Steiner Verlag, Dornach.

Ursula Hausen: Den Tod als Freund erleben lernen. Begleitung im Sterben und darüber hinaus. Stuttgart 2003. Verlag Urachhaus.

 

Forum für Sterbekultur | 03.10.17