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Die Sphäre der Toten
Auf einen Blick
Der Moment des Todes
Das Panorama
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Vorgeburliches Leben
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Was ist Anthroposophie?

Das Panorama – die Lebensüberschau

Das Phänomen der Lebensrückschau, wo in Sekundenschnelle das gesamte Leben vor einem steht – vom gegenwärtigen Moment bis zur Geburt –, ist seit langem bekannt. Es tritt gern da auf, wo Menschen plötzlich existenziell bedroht sind, sei dies bei einem Absturz in den Bergen, beim Ertrinken, bei einem heftigen Erschrecken.

Rudolf Steiner schildert diesen Vorgang als verursacht durch das teilweise Herauslösen des Bildekräfteleibes aus dem physischen Körper. Im Tode trennt sich dieser vollständig und endgültig vom Erdenleib ab.

Eine solche Lebensrückschau erfahren auch Verstorbene unmittelbar nach dem Tode. In manchen Schilderungen von Nahtoderlebnissen kommt dies zum Ausdruck. Doch nicht sämtliche enthalten diesen Aspekt.

In den nachfolgenden Wortlauten Rudolf Steiners wird

  • zunächst noch einmal auf den Todesvorgang als Änderung im Zusammenhang der Glieder hingewiesen. Gemeint sind die Kraftstrukturen des Lebendigen, Seelischen und Geistigen, die im wachen Erdenleben den physischen Leib durchdringen.
  • Dann folgt eine erste Schilderung des Lebenstableaus,
  • darauf eine weitere Beschreibung des Lichterlebnisses im Tode.
  • Schliesslich zitieren wir eine weitere Tableauschilderung, welche auf die Bedeutung der Lebensrückschau hinweist für den ganzen weiteren Verlauf des Daseins nach dem Tod bis zur neuen Geburt.

Schlaf und Tod
Auch der Tod tritt durch nichts Anderes ein als durch eine Änderung im Zusammenhange der Glieder des Menschenwesens. Auch dasjenige, was in Bezug darauf die übersinnliche Beobachtung ergibt, kann in seinen Wirkungen in der offenbaren Welt gesehen werden; und die unbefangene Urteilskraft wird durch die Betrachtung des äusseren Lebens auch hier die Mitteilungen der übersinnlichen Erkenntnis bestätigt finden. [...]

Während sich beim Übergang in den Schlaf der Astralleib nur aus seiner Verbindung mit dem Ätherleib und dem physischen Leibe löst, die letzteren jedoch verbunden bleiben, tritt mit dem Tode die Abtrennung des physischen Leibes vom Ätherleib ein. Der physische Leib bleibt seinen eigenen Kräften überlassen und muss deshalb als Leichnam zerfallen. Für den Ätherleib ist aber nunmehr mit dem Tode ein Zustand eingetreten, in dem er während der Zeit zwischen Geburt und Tod niemals war.

[...]. Er ist nämlich jetzt mit seinem Astralleib vereinigt, ohne dass der physische Leib dabei ist. Denn nicht unmittelbar nach dem Eintritt des Todes trennen sich Ätherleib und Astralleib. Sie halten eine Zeitlang durch eine Kraft zusammen, [...] Diese Kraft tritt beim [...] Tode in Wirksamkeit. Sie löst den Ätherleib aus dem physischen heraus, so dass der erstere jetzt mit dem Astralleib verbunden ist. Die übersinnliche Beobachtung zeigt, dass diese Verbindung für verschiedene Menschen nach dem Tode verschieden ist. Die Dauer bemisst sich nach Tagen.
(GA 13: Die Geheimwissenschaft im Umriss, Kapitel Schlaf und Tod)

Die Erinnerungsfähigkeit des Menschen
Wenn wir durch des Todes Pforte gehen, dann folgen auf das Erdendasein Tage, in denen wie in einer mächtigen Perspektive die Bilder des eben verflossenen Erdenlebens auftreten. Sie sind auf einmal da. Was vor vielen Jahren vergangen ist, ist gleichzeitig da mit dem, was vor ein paar Tagen vergangen ist. Wie das Räumliche nebeneinander ist und nur Raumesperspektive hat, so ist jetzt das Zeitliche unseres Erlebens nebeneinander und hat eben innere Zeitperspektive; aber es ist auf einmal da. Nur wird es in der kurzen Zeit, in der es da ist, immer schattenhafter und schattenhafter, immer abgeschwächter und abgeschwächter. Während wir im physischen Erdenleben in uns schauen, fühlen: da haben wir die Bilder des Erlebens als Erinnerungsbilder wie zusammengerollt in uns; [...]

Jetzt werden diese Bilder grösser, mächtiger. Wir fühlen, wie wenn die Bilder unserer Erinnerung von der Welt aufgenommen werden. Das, was nach dem Tode gewissermaßen erst ein eng Umgrenztes umschließt in diesem Erinnerungstableau, es wird immer grösser, aber damit auch immer schattenhafter, bis wir es wie zu einem Weltall erweitert finden, aber schwach geworden, so dass wir kaum noch ahnen können, was wir erst deutlich gesehen haben. Wir ahnen es. Und dann verschwindet es in den Weiten; es ist nicht mehr da.
(GA 234: Anthroposophie. Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren, Vortrag vom 10. Februar 1924)

Das Lichterlebnis im Tode

Man erlebt, wie das, was man selber war zwischen Geburt und Tod als ein Ausschnitt aus dem Kosmos, nunmehr aufgenommen wird von dem Kosmos [...]. Und dann ist das Nächste, dass man fühlt, wie intim der Kosmos dasjenige durchzieht, was man so als ein Ausschnitt war. Man hat das Gefühl, wie wenn ein inneres Licht aufginge und dasjenige erhellte, was man war.[....].

Das alles aber strömt und tönt sozusagen in das Lebenspanorama hinein. Dann löst sich der Ätherleib ab.
(GA 174b: Kosmische und menschliche Geschichte. Band 7. Vortrag vom 23. November 1915)

Die Kraft, das Ich festhalten zu können 
Die allererste Zeit nach dem Tode verläuft ja so, dass man wie in einem grossen Tableau sein eben abgelaufenes Leben vor sich hat. Man umfasst durch Tage hindurch, aber immer so, dass das Ganze da ist, gewissermassen auf einmal sein bisheriges Leben. Man hat es wie in einem grossen Panorama vor sich. Wenn man allerdings genauer zusieht, dann stellt sich heraus, dass diese Tage mit ihrem Rückblick auf das verflossene Leben sozusagen schon mit einer gewissen Nuance der Beobachtung behaftet sind. Man sieht gewissermassen das Leben in diesen Tagen von dem Gesichtspunkte des Ich aus, man sieht besonders alles dasjenige, woran unser Ich beteiligt war. Ich will sagen, man sieht die Beziehungen, die man zu einem Menschen gehabt hat, aber man sieht diese Beziehungen zu dem Menschen in einem solchen Zusammenhange, dass man gewahr wird, welche Früchte für einen selbst diese Beziehung zu dem Menschen getragen hat. Man sieht also die Sache nicht ganz objektiv, sondern man sieht all das, was Früchte für einen selber getragen hat. Man sieht sich überall im Mittelpunkt drinnen. Und das ist unendlich notwendig, denn von diesen Tagen, wo man so alles sieht, was fruchtbar für einen geworden ist, geht aus jene innere Stärke und Kraft, die man braucht im ganzen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, um nun da den Ich-Gedanken festhalten zu können. Denn man verdankt die Kraft, das Ich festhalten zu können zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, diesem Anschauen des letzten Lebens; von dem geht diese Kraft eigentlich aus.
(GA 157a: Schicksalsbildung und Leben nach dem Tode, 16. November 1915)

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Literatur zum Thema

Mehr Originaltext von Rudolf Steiner:

Themen aus dem Gesamtwerk, Band 15

Rudolf Steiner: Das Leben nach dem Tod und sein Zusammenhang mit der Welt der Lebenden. 13 Vorträge ausgewählt und herausgegeben von Frank Teichmann. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2011

 

Forum für Sterbekultur | 03.10.17