LogoLinks Link zur Homepage
 Home | Kontakt |  
 | 
 | 
E-Mail
  
Begleiter sein
Was brauchen sie?
Wie helfen?
Trauern
Trost der trägt
Wie trauern Kinder?
Ein notwendiger Weg
Wie trauern?

Achtsamkeit und Offenheit

Geistesgegenwärtige, unaufdringliche Anwesenheit – das ersehnen sich viele Sterbende von den Menschen, die sie an der Schwelle des Todes begleiten. Eine wache Anwesenheit, die sogar wahrnimmt, wenn es Zeit ist, mehr Abstand zu halten oder gar den Raum zu verlassen, ist erwünscht.

Von Franz Ackermann

Nicht das geschäftige Sorgen und Tun der Begleitenden ist wichtig, sei es noch so gut gemeint, sondern das ausgesprochene oder unausgesprochene Wünschen und Hoffen deren, die sich bereit machen, den Erdenplan zu verlassen. Wie unterschiedlich das doch geschieht!

Sterbende zu begleiten erfordert, sich mit dem eigenen Leben und Sterben auseinanderzusetzen. Wem es gelingt, selber zur Ruhe zu kommen, achtsam zu werden, der beginnt, im Atem der Sterbenden vieles zu hören, etwa, dass da noch Lasten im Wege sind, Hürden, vielleicht Sorgen und Ängste. Wie finden Sterbende Kraft, Sicherheit und Vertrauen? Es kann durch unsere Nähe sein, durch Berührung. Vielleicht geht der Atem schwer, weil die Loslösung vom Körper en Chrampf ist.

Fenster in eine andere Welt
Wertvoll sind die Erlebnisse und Erfahrungen am Sterbebette. Nicht nur der Atem erzählt viel. Die ganze Körpersprache, die Anspannung oder Schlaffheit, die suchende Gebärde der Hand, das unerwartete Öffnen der Augen, die zum letzten Mal erstrahlen, vielleicht aber schon geweitet sind wie im Anblick eines hellen Lichts. Oder das plötzliche Sprechen nach Tagen der Wortlosigkeit, das Seufzen, es kann wie zum offenen Fenster werden in eine andere Welt, in die Sterbende wie tastend schon durch einen Spalt hineinzuschauen vermögen, gewahr werdend, wie sie empfangen werden. Die Gebärden können auch berichten von den Geschehnissen und Vorgängen im Leib, von Schmerzen oder vom Durst. Wer sich einer sterbenden Person nähert, wird immer mit der Fragehaltung leben müssen: Bin ich erwünscht? Was ist jetzt das Richtige? Achtsamkeit ist gefragt. Es ist eine hohe Kunst anzuerkennen, dass weniger oft mehr ist.

Im richtigen Moment das passende Wort ...
Die wertvollste Gabe von Sterbebegleiterinnen und -begleitern ist die reine Zuwendung. Die Gebärde der selbstlosen Liebe. Unvoreingenommene Offenheit erlaubt es, dass Begleitende manchmal im richtigen Moment ein passendes Wort finden, ein Motiv anschlagen, das bei den Sterbenden ein Echo auslöst, wo deutlich wird: «Ja, darauf habe ich gerade gewartet.» Zuwendung kann begleitet sein durch Gaben, die in der Biographie der Sterbenden ihre Wurzeln haben. Sie können zuweilen Wunder wirken, etwa ein Kinderlied, eine Melodie, ein Gebet. Das eurythmische Halleluja kann helfen, dass der Atem wieder weit und ruhig wird. Und immer wieder ist es wichtig, den Abschiednehmenden Raum zu lassen.

Sterbende sind, auch wenn es äusserlich täuschen mag, beschäftigt. Sie leben teils hier, teils schon mit einem Bein in einer anderen Welt. Dies erlaubt ihnen, körperlos wahrzunehmen. Aus der Sterbeforschung wissen wir, dass unsere Worte, ja sogar unsere unausgesprochenen Gedanken, gehört, erlebt, wahrgenommen werden. Ebenfalls unsere Gefühle. Zum Beispiel, wenn es uns schwerfällt, einen Menschen in die Geistwelt zu entlassen.

Ausbildung zur Sterbebegleitung
Vor einigen Jahren veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Sterbekultur unter der Leitung von ausgewiesenen Fachleuten einen ersten Kurstag für Sterbebegleitung unter dem Titel Der Moment des Todes. Der Kurs war offen für Pflegende und Laien. Dabei sollten nicht nur die Erfahrungen der heute weit bekannten Nahtoderlebnisse zur Sprache kommen, sondern auch die Schilderungen aus der Anthroposophie Rudolf Steiners. In einem Vortrag sprach dieser zum Beispiel über den Todesmoment als «das Grösste, das Schönste, das Erhabenste, was immerfort gesehen werden kann von der anderen Seite des Lebens aus». Ein solcher Hinweis kann dem Tod seinen Stachel ziehen und Begleitenden eine Haltung von Zuversicht und Kraft verleihen, wenn sie die Wege Sterbender an die Schwelle achtsam begleiten.

Weitere Informationen über die Ausbildung zum Sterbebegleiter, zur Sterbebegleiterin finden Sie in der rechten Spalte.

To top

spacer

Franz Ackermann war Leiter eines Alters- und Pflegeheims im Kanton Zürich und während mehreren Jahren Präsident der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

Weiterbildung Sterbebegleitung in neun Modulen

Die Arbeitsgemeinschaft Sterbekultur bietet eine Weiterbildung für Menschen an, die in der Sterbebegleitung tätig sind oder tätig werden wollen. Der Kurs umfasst neun ganztägige Module, die in freier Reihenfolge besucht werden können. Inhaltlich werden Themen behandelt, die an den Sterbeprozess und das Erleben der Sterbenden anknüpfen, wie auch solche, die mehr das Verhalten der Begleitperson und die innere Vor- und Nachbereitung zur Sprache bringen. Die Kursleitenden benützen die Bild- und Spruchwerke aus Gerhard Reischs Totenbuch als bewährte Hilfsmittel zum Einstieg ins Gespräch wie zur Vertiefung der Inhalte.

Interessierte können jederzeit in die Weiterbildung einsteigen, da jedes Modul eine in sich geschlossene Einheit bildet. Doch bilden die Teile auch ein Ganzes. Zu jedem Modul gibt es eine Kursbeschreibung und – wenn gewünscht – eine Kursbestätigung.

Die Kurse finden an wechselnden Orten statt und werden nach Bedarf wiederholt.

Die neun Module
Modul I: Sterben – Begleiten
Modul II: Ermutigen zur Sterbebegleitung
Modul III: Der Moment des Todes
Modul IV: Die Lebensüberschau
Modul V: Das Ich-Erlebnis im Tode
Modul VI: Osterimagination – In dem Christus wird Leben der Tod
Modul VII: Zeit der Lebensverarbeitung – Kamaloka
Modul VIII: Konkret begleiten – Vorbereitung auf die Praxis
Modul IX: Ich bin eine Sterbebegleiterin – Abschluss

Hier sehen Sie, wann welche Module durchgeführt werden.

 

Forum für Sterbekultur | 03.10.17