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Wie trauern?

Wie trauern Kinder?

Das Buch «Trauer ist das Ding mit Federn» des jungen englischen Autors Max Porter hat unsere Rezensentin so angesprochen, dass sie über das Trauern von Kindern weiter nachgesonnen hat.

Von Cordelia Böttcher

In einer jungen Familie stirbt plötzlich die Mutter. Der Vater und zwei kleine Buben bleiben zurück und müssen sich in die neue Situation hineinfinden. Unerwartet erscheint in der Familie eine riesige schwarze Krähe. Sie ist sofort als die Trauer selbst zu erkennen. Im Büchlein sprechen dann abwechselnd der Vater, die Jungen und die Krähe, und wir nehmen Anteil an ihren inneren Erlebnissen bis zu der Zeit, in der die Krähe sich wieder verabschiedet, und das Leben der drei in neuen Bahnen einige Sicherheit gewonnen hat. Tatsächlich, es ist «ein bildmächtiges, wildes Buch über die Trauer», so der Klappentext.

Mich hat besonders berührt, wie die Buben in ihrer Trauer beschrieben sind. Oft habe ich beobachtet, dass Erwachsene so sehr mit sich selbst und den jetzt drängenden Aufgaben beschäftigt sind, dass sie die Kinder vergessen. Erst die Frage, ob sie die verstorbene Person noch einmal sehen sollen, sehen dürfen, ob sie an der Beerdigung teilnehmen, hebt die Jüngsten wieder in die Aufmerksamkeit. Wird Kindern eigentlich auch kondoliert?

Genug Zeit finden für Gespräche
Wie leben Kinder mit ihrer Trauer? Was bedeutet ihnen der Verlust? Konnte der Abschied durch die Begleitung einer Krankheit oder dem Altwerden der Grosseltern vorbereitet werden? Wie ist ein plötzlicher Unfalltod zu verstehen? Kleine Kinder können recht nüchtern sein und finden sich meist bald wieder zurecht. Grössere Kinder erleben oft Zorn und Wut gegenüber dem Verlust – wie auch in diesem Buch beschrieben – und fragen «warum? Warum nur?» So vielfältig wie das Schicksal ist, fallen die Reaktionen aus.

Entscheidend ist, dass die Erwachsenen die Kinder im Trauer-Haus sehen und ebenso, dass für sie die verstorbene Person lebt und unsichtbar anwesend ist.

Das eröffnet die Möglichkeit, genug Zeit für liebevolle Zuwendung und das Gespräch mit den Kindern zu finden, indem gemeinsam des verstorbenen Menschen in Liebe und Dankbarkeit gedacht wird. Eine Hilfe ist es, das Gedenken durch kleine Rituale in das tägliche Leben hereinzuholen, ein Bild von ihm aufzustellen, zu dem die Kinder Blumen oder kleine Schätze bringen können, beim Abendgebet an ihn zu denken, in lustigen Situationen an die lebhaften Worte der verstorbenen Person zu erinnern. 

Gebt Euren Toten Heimrecht,
Ihr Lebendigen,
dass wir unter Euch wohnen und weilen dürfen
in hellen und dunklen Stunden.
Weint uns nicht nach,
dass jeder Freund sich scheuen muss,
von uns zu reden!
Macht, dass die Freunde ein Herz fassen,
von uns zu plaudern und zu lachen!
Gebt uns Heimrecht,
wie wir's im Leben genossen haben. 
(Walter Flex)

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Max Potter: Trauer ist das Ding mit Federn. Berlin 2015, Hanser Verlag,
124 Seiten
, ISBN 978-3-446-24956-1

 

Forum für Sterbekultur | 03.10.17