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Vom Versorgermodell zur Sorgekultur

Die Sorgekultur erhält in Bezug auf das Lebensende besonderen Auftrieb, weil sie sich als menschliche Alternative zur Ökonomisierung der Langzeitpflege anbietet. Aktivistinnen und Aktivisten der ersten Stunde sind darum besorgt, dass ihre Idee gut umgesetzt wird. Noch ist man weit weg vom Ziel, denn technokratische Gesinnung in den Köpfen und in den Einrichtungen verhindert den Blick auf das Zentrum der Sorge, auf den Menschen. 

«Sterben ist heute ein Markt geworden, auf dem Geld und Image verdient werden kann», sagten Andreas Heller und Klaus Wegleitner vom Institut für Palliative Care und Organisationsethik in Wien an einem Vortrag, der mit der Palliative Care ziemlich hart ins Gericht ging. Um die Sterbenden herrsche heute ein Wettbewerb, es gebe Konkurrenz zwischen den Organisationen und den Berufsgruppen – das ist unbestritten so. Heller und Wegleitner plädieren jedoch sogar für eine Rückkehr zu einer Sorgekultur, die viel näher beim Hospizgedanken liegt als eine flächendeckende Verbreitung der spezialisierten Palliative Care. Mit der Etablierung der Palliativmedizin sei auch eine «Medikalisierung, Expertokratisierung und Bürokratisierung des Sterbens» einhergegangen, meinen sie.

Wie gesagt malen Heller und Wegleitner die heute Palliative Care etwas zu düster. Denn man muss der Fachdisziplin zu Gute halten, dass sie den Einbezug der Angehörigen in die Betreuung und Pflege sowie auch den Einsatz von Freiwilligen seit jeher propagiert hat. - Natürlich stellt sich bezüglich der so geleisteten unbezahlten Arbeit auch die Frage nach der Grenze. In Bezug auf pflegende Angehörige müssen endlich sinnvolle Erwerbsersatzmodelle gefunden werden. Denn solche Betreuungs- und Pflegeaufgaben verhindern oft, einem erwünschten Broterwerb nachzugehen.

Integrierte Versorgung in Alters- und Pflegezentren 
Die Institutionen der Langzeitpflege sind Teil der palliativen Grundversorgung. In den Schweizer Langzeitpflegeeinrichtungen werden nur Pflegeleistungen als kassenpflichtige Leistungen anerkannt, nicht aber die Betreuung. Das führt zu einem Dilemma in der Abrechnung sowie in der Zielsetzung der Aufgabestellung gegenüber dem Patienten. Wer kümmert sich um was? Welche Ansprüche haben die Pflegebedürftigen?

Die Bewegung der Sorgenden Gemeinschaften macht darauf aufmerksam. Es geht darum, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Zu seinem Wohl gruppieren sich alle Bezugspersonen und Organisationen um ihn herum. Eine optimale Koordination des Netzwerks hätte kostensenkenden Einfluss. Es kommt darauf an, dass eine Gemeinschaftskultur gelernt und geübt wird, wo das Gemeinsame und nicht der Egoismus des einzelnen Players im Fokus liegt. Pflegeeinrichtungen, Gemeinden, Versicherungsstellen, Pflege- und medizinische Verbände, sowie die Politik sollten sich dem gemeinsamen Ziel, dem Patientenwohl, verbunden wissen.

Ein Beispiel «integrierter Versorgung» ist das Zentrum Schönberg in Bern, das sich auf Demenz und Palliative Care spezialisiert hat. Im Zentrum wird dieser Begriff folgendermassen definiert: Er beschreibt eine «Behandlungs- und Betreuungsform, bei der mittels Vernetzung von einzelnen Angeboten und Institutionen ein Netzwerk geschaffen wird». Ins Zentrum dieses Netzes gehören die Bewohnerin und ihr privates Netzwerk, die verschiedenen Anbieter im stationären und im ambulanten Bereich, aber auch Fachpersonen und Laien, die sich etwa ehrenamtlich in der Sterbebegleitung, als Sitzwache oder Besucherinnen engagieren.

Vielerorts entstehen Gemeinden als „sorgende Gemeinden“ oder einzelne Einrichtungen, die sich die Prinzipien der Sorgekultur auf die Fahne geschrieben haben. Die wachsende Bewegung beobachtet etwas argwöhnisch die Entwicklung.

An einem Netzwerktreffen für Caring Communities im Juni 2018 in Zürich warnten manche Aktivistinnen und Aktivisten davor, dass die Bewegung übermässig strukturiert und von staatlichen Organen oder der Politik vereinnahmt wird. Wichtig sei es vor allem, Vertrauensverhältnisse im Nachbarschaftlichen zu schaffen.

Die Sorgekultur-Bewegung zusammen mit der Palliative-Care Bewegung werden darauf achten müssen, dass ihre Ideen und Grundsätze nicht von der Gesundheitswirtschaft und dem technokratischen Denken von Krankenversicherern vereinnahmt werden. Sorgekultur darf nicht zur Sparkultur verkommen.

Weiterführende Literatur:    
Julian Abel (2018): Compassionate communities and end-of-life care       
Franz Ackermann (2018): Alt werden, Rudolf Steiner Verlag.  
Allan Kellehear (2013): Compassionate communities: end-of-life care as everyone’s responsibility

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Forum für Sterbekultur | 22.12.18