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Sterben von Kindern

Anthroposophische Sicht

Ein Kindsverlust wiegt schwer. In jedem Fall. Betroffene Eltern wie weitere An- und Zugehörige schätzen die ungeteilte Anteilnahme, das volle Mitgefühl. Manche ausserordentlichen Kinderschicksale kündigen sich im Voraus an. Wer dies während des Geschehens oder auch im Verarbeiten des Erlebten zu verstehen und zu begreifen sucht, dem kann unter Umständen schweres Leid leichter werden. In den nachfolgenden Abschnitten wird das Thema aus anthroposophischer Sichtweise beleuchtet.

Von Franz Ackermann

Sofort stellt sich die Frage nach dem Sinn. Kann Sinn gefunden werden? Zeigt sich ein solcher im Schicksal? Wer sich auf die Sprache des Schicksals einlässt, dem öffnet sich zuweilen ein Blick auf Zusammenhänge, die wie für sich selber stehen. Die Lebensgeschichten sprechen oft eine deutliche und eindrückliche Sprache, die allgemein verständlich ist. Dazu braucht es keinen besonderen Glauben, kein Bekenntnis.

Trostreich und sinnerhellend können Gesichtspunkte aus der Anthroposophie sein, wenn sie dieses beleuchten. Mitteilungen aus der Geistesforschung Rudolf Steiners berücksichtigen die Wege des Menschen im vorgeburtlichen Dasein, das gelebte Erdenleben und die weitere Entwicklung im Nachtodlichen.

In der Folge werden einige wenige grundlegende Gesichtspunkte exemplarisch aufgezeigt. Wer sich mit der Thematik tiefer beschäftigen möchte, möge weiterführende Links oder Literatur zu beachten.   

«Man stirbt nicht umsonst vor dem 35. Jahr»  
Während des ersten Weltkriegs gab es viele Tote zu beklagen, viele, die allzu jung gestorben sind. Rudolf Steiner hielt damals zahlreiche Vorträge. Dabei sprach er auch über das Schicksal jung Verstorbener: Wer früh aus dem Leben scheidet, bringt etwas ganz anderes in die Geisteswelten mit als diejenigen, die ein langes Leben hinter sich haben. Die Weltenentwicklung braucht beides. Ein früher Tod kann zu Genialität im künftigen Erdenleben führen. Ein später Tod stärkt die Kräfte, die der besonderen Ausgestaltung des künftigen leiblichen Körpers dienen. In beiden Fällen aber hat der Tod eine Wirkung für das weitere Erdenschicksal.

Ein Beispiel: Rudolf Steiner beobachtete, wie junge Menschen eine Fülle an Begabungen und an Vitalität ins Leben hineintragen. Und er erwähnt dazu: Wenn jemand im Vorleben früh gestorben war, blieb das Leben wie unvollendet. Die Seele nahm unausgelebte Lebenssubstanz mit in den Tod. Solche Kräfte sind also nicht verloren. Im Gegenteil, für ein künftiges Erdenleben stehen sie erneut zur Verfügung und sorgen für eine umfassende Steigerung schöpferischer Potenziale. Menschen solcher Veranlagung haben oft ein ungestümes Temperament.

Das ist wichtig, dass wir das unterscheiden. Und nun stirbt ein Mensch vor dem fünfunddreissigsten Lebensjahr. Wird er dann wiederverkörpert, so wächst ihm in einer gewissen Weise die Kraft zu, die er nicht verwendet hat in
der Lebenszeit, die auf das fünfunddreissigste Lebensjahr folgen würde. Solche Menschen, die in einer Inkarnation vor dem fünfunddreissigsten Jahr durch den Tod gehen und dadurch für diese Inkarnation die Kräfte sparen, die sonst aufgebraucht worden wären, wenn sie fünfzig, sechzig, siebzig Jahre alt geworden wären, bei denen summiert sich diese Kraft, die sie da erspart haben, mit den Kräften, mit denen sie sich in die nächste Inkarnation einverleiben, und dadurch werden solche Seelen in Leibern geboren, durch die sie imstande sind, zumeist in ihrer Jugend, mit starken Eindrücken dem Leben entgegenzutreten.   
Rudolf Steiner, GA 157a,  18.11.1915.  Rudolf Steiner Verlag, Basel

Dagegen birgt ein vergangenes lang ausgelebtes Leben, die Veranlagung zur Besonnenheit, Sorgfalt und Innerlichkeit, wenn man wieder geboren wird.

Man kann sich nicht rasch begeistern, man kann nicht rasch entrüstet sein. Man macht sich langsamer, aber intimer mit den Dingen bekannt und wächst dadurch in der nächsten Inkarnation in ein solches Leben hinein, durch das man mehr durch die Innerlichkeit wirkt.   
GA 157a, Schicksalsbildung und Leben nach dem Tode.  18.11.1915

Mitgefühl und Trauer bei Kindstod   
Der Verlust eines Menschen kann bei den Hinterbliebenen tiefe Trauer auslösen, unabhängig davon, ob der Verstorbene jung oder alt war. Mit Blick auf die Verstorbenen zeigen sich dem Geistesforscher jedoch große Unterschiede. Kinder bleiben oft noch eng mit den Angehörigen verbunden. Sie wollen nicht weitergehen und übertragen daher ihren Schmerz auf die Zurückgebliebenen. Der Schmerz, den diese empfinden, ist ein Mitgefühlsschmerz. Im hohen Alter Verstorbene hingegen empfinden die Trennung nicht so stark, sie halten auf ihre Art und Weise die Verbindung. Der Schmerz der Zurückgebliebenen ist hier eher von egoistischer Natur.

Meditationen Rudolf Steiners bei Kindsverlust
In konzentrierter inhaltvoller Stille mit dem erlittenen Verlust umgehen. Darin offen sein für die wirkungsvolle Anteilnahme  göttlicher Mächte, das kann mittels eines Spruches oder eines Mantrams angestrebt werden, wie es vielfältig in anthroposophischer Praxis lebt. Die folgende Hinführung zu einer mantrischen Wortprägung und der nachfolgende Spruch, den Rudolf Steiner einer Mutter übergab, die den Verlust ihres Säuglings beklagte, mögen in diesem Sinne aufgenommen werden.

Geistig betrachtet verliert man eigentlich diese Kinder nicht. Sie bleiben geistig da. Kinder, die früh im Leben sterben, sind eigentlich wirklich in hohem Grade immer geistig unmittelbar da. – (…)   Ich möchte als Meditationssatz vor Ihre Seelen hinstellen, den man weiter durchdenken kann, dass Kinder, wenn sie uns hinsterben, für uns nicht verloren sind; wir verlieren sie nicht, sie bleiben geistig immer da. Und bei älteren Leuten, die hinsterben, kann man das Umgekehrte sagen. Da kann man sagen: Sie verlieren uns nicht.

Insbesondere Kinder haben das Bedürfnis, den Zurückgebliebenen Botschaften zukommen zu lassen. Oft sind es Mütter, die dafür besonders empfänglich sind.
 
Da ist eine Verbindung zwischen den Zurückgebliebenen und den Verstorbenen vorhanden, die man schon so bezeichnen kann, dass man sagt: Ein Kind, einen jugendlichen Menschen hat man in Wirklichkeit gar nicht verloren; sie bleiben eigentlich da. - Und sie bleiben vor allem aus dem Grunde da, weil sie nach dem Tode ein lebendiges Bedürfnis darnach zeigen, in unser Aufwachen hineinzuwirken, in unser Aufwachen hinein Botschaften zu senden.   

GA 181, Erdensterben und Weltenleben, 5.2.1918

     Zu dir
     In Liebe   
     Auf Christi Wegen   
     Suche mein Herz  
     Lebe du   
     In meinen Gedanken  
     Wie ich in deiner Seele.

Rudolf Steiner an eine Mutter nach dem Tode ihres drei Monate alten Kindes. GA 268

Verstorbene Kinder sind in der geistigen Welt keine Kinder mehr
Wir müssen uns ja schon einmal bekanntmachen damit, dass wir uns die Menschen, indem sie weiterleben in der geistigen Welt, nicht so vorstellen dürfen, wie sie zuletzt hier gewesen sind. Die triviale Vorstellung, die sich die Menschen machen, zum Beispiel, dass die, die als Kinder sterben, weiterleben als Kinder, ist selbstverständlich nicht richtig. Die Gestalt, die die Toten zuletzt hatten, kann bildhaft in der Imagination so erscheinen; das ist aber nicht die Gestalt, sondern der Ausdruck. Es kann ein Kind sterben, aber das Menschenwesen, das in dem Kinde verkörpert war, kann eine sehr entwickelte Seele sein und fortleben nach dem Tode als eine sehr hoch entwickelte Seele. Das habe ich schon oft erwähnt.
157a, Schicksalsbildung und Leben nach dem Tode. 20.11.1915

Kräfte für die fortschreitende Evolution
Wie weiter oben erwähnt, tragen Sterbende Lebenssubstanzen von der einen Welt in die andere Welt. Darin spiegeln sich Begabungen und Lebensfrüchte.

Es ist besonders bedeutungsvoll, solche Seelen nach ihrem Durchgang durch die Pforte des Todes zu betrachten, die in der Blüte der Jahre dahingestorben sind, die durch ein Unglück ihre leibliche Hülle verloren haben, und sie dann weiterlebend zu finden. Sie tragen in die höheren Welten Kräfte hinauf, die eigentlich in normaler Weise dem physischen Erdenleben hätten dienen sollen. Was geschieht mit diesen Kräften? Diese Kräfte haben eine der schönsten Verwendungen in der übersinnlichen Welt. Wenn wir nämlich verfolgen die Wesenheiten der höheren Hierarchien, welche den fortlaufenden Gang der Entwickelung lenken und leiten, dann finden wir diese Wesenheiten der höheren Hierarchien begabt mit den Kräften, die eben da sein müssen zu einer fortschreitenden Evolution.
GA 140, Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. 10. März 1913

Möglicher Sinn eines ganz kurzen Lebens
Es zeigt uns nun die okkulte Wissenschaft, dass ein so kurzes Leben doch einen Sinn hat. Oft hat das Wesen, das in diesem Kinderleibe ist, vieles ausbilden können, aber bisweilen hat es eines nicht ausbilden können, zum Beispiel ganz gesundes Sehen. Nehmen wir an, jemand ist in einer Inkarnation ein vorzüglicher Mensch gewesen, hatte aber ein schwaches Sehvermögen. Dann wird es geschehen, dass ein solcher später in einer Inkarnation nur wenige Tage lebt, nur um das, was ausgeblieben ist in dem vorigen Leben wegen seiner schwachen Augen, auszugleichen. In diesem Falle muss man diese Inkarnation zu der vorigen mitrechnen. Man unterschätzt im Allgemeinen sehr die Bedeutung des Lernvermögens von dem Kinde in den ersten Tagen. Wenn das Kind lernt ins Licht zu sehen, so ist dazu mehr Kapazität notwendig, als zu alledem, was man lernt im ersten akademischen Semester. 
GA 150. Die Welt des Geistes und ihr Hereinragen in das physische Dasein. 8.6.1913

Weiterführende Links:   Ungeborenheit   Verbindung zu den Toten   Trauern    Literatur zum Thema

Weitere Dokumente:     Studienblatt 1.6.b Sterben von Kindern      Studienblatt Literatur 

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Franz Ackermann war Leiter eines Alters- und Pflegeheims im Kanton Zürich und während mehreren Jahren Präsident der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz.

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Forum für Sterbekultur | 14.06.19