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Die Zeit zwischen Tod und Trauerfeier bewusst gestalten

In früheren Zeiten wurden Menschen nach ihrem Tod bis zum Begräbnis aufgebahrt, damit ihre Angehörigen, Freunde und die Dorfbewohner von ihnen Abschied nehmen konnten. In der anthroposophischen Sterbekultur ist dieser Brauch lebendig geblieben, eine Aufbahrungsdauer von drei Tagen ist die Regel (siehe Spalte rechts). Ein exemplarischer Blick auf Abschiedsrituale im Spital Richterswil.

Von Kathrine Schwab

«Unsere Jüngsten» steht auf einer goldgerahmten Tafel neben dem Empfang des Spitals Richterswil, darunter Vornamen und Geburtsdaten: Willkommensgrüsse. Gleich daneben im Warteraum brennt auf dem Glastischchen eine Kerze und verweist darauf, dass jemand im Spital gestorben ist und im Aufbahrungsraum liegt. Sowohl dem Anfang wie dem Ende des Lebens wird gebührende Aufmerksamkeit geschenkt.

Jeweils im November, der traditionellen Zeit der Totenfeiern, gibt es im Spital Richterswil ein Ritual, bei dem für jeden Monat des Jahres die Namen der Verstorbenen von Karten abgelesen und diese Karten anschliessend in einer Feuerschale verbrannt werden. Ähnliche jährliche Rituale finden sich bei vielen Organisationen, welche mit Sterben und Tod zu tun haben.

In Richterswil hingegen gestalten die Mitarbeitenden zusätzlich nach jedem einzelnen Todesfall eine kurze Abschiedsfeier. Dies um es den Mitarbeitenden zu erleichtern, den therapeutischen Prozess mit diesem Menschen abzuschliessen und sich von ihm zu verabschieden.

Hilfreiche Zeremonie
«Ich erlebe diese Feiern als sehr heilsam», sagt Anja Schnydrig, Sozialarbeiterin im Spital Richterswil. Denn gerade wenn jemand in seinen letzten Tagen und Stunden sehr gehadert habe, vielleicht wegen der eigenen Kinder das Sterben nicht annehmen konnte und so sehr gekämpft hat, helfe die Abschiedsfeier, wieder Abstand zu gewinnen und loszulassen.

Zu Beginn erklingt eine Klangschale, es brennen Kerzen, Rosenblätter umgeben den Toten, ein Blumenstrauss steht zu seinen Füssen. Die Mitarbeitenden singen ein bis zwei Lieder, jemand rezitiert ein Gedicht und schildert etwas Einzigartiges dieses Menschen. Zum Schluss erfüllt der Ton der Klangschale wieder den Raum. So tragen sich die Mitarbeitenden gegenseitig durch diese Momente, in denen die Vergänglichkeit so deutlich wird und für manche ewiges Leben zu erahnen ist. Aus anthroposophischer Sicht sind Verstorbene nicht fort, sondern noch länger um uns. Für diejenigen, die dies anspricht, schafft das Ritual eine Möglichkeit, der Seele einen Gruss auf den Weg mitzugeben.

Positives Echo der Familien
Angehörige können teilnehmen, müssen aber nicht. Meistens wird dieses Angebot genutzt. Vorhänge in Weiss und Rosa geleiten sie in den Raum und schirmen sie zugleich vom Spitalbetrieb ab. «Die Rückmeldungen der Angehörigen sind sehr positiv», erzählt Anja Schnydrig. «Viele sind so gerührt und dankbar für dieses Ritual, dass sie dem Spital dafür eigens eine Spende zukommen lassen.»

In speziellen Situationen gestalten die Mitarbeitenden auch andere Abschiedsrituale. Zum Beispiel bei der kaum zwanzigjährigen Krebspatientin, die immer wieder im Spital Richterswil betreut wurde, jedoch an einem anderen Ort starb. Für sie liessen die Mitarbeitenden im Garten weisse Luftballone steigen.

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lic phil I Kathrine Schwab, Kommunikationsspezialistin. Seit 2017 im Bereich Hochaltrige Menschen tätig. Weiterbildung in Würdezentrierter Therapie (Dr. H. M. Chochinov).

Aufbahrung

Auch die anthroposophischen Kliniken praktizieren die Aufbahrung der Verstorbenen und haben zu diesem Zweck besondere Räume eingerichtet. Die Dauer von drei Tagen hat einen realen Hintergrund: sie entspricht der Zeitspanne, während der sich der Ätherleib vom physischen Körper löst.

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Forum für Sterbekultur | 06.10.19